Private Profits
5x aus dem Leben  

Was sie im Folgenden lesen werden, würden andere vermutlich als „die fünf goldenen Börsenregeln“, „die fünf bestgehüteten Erfolgsgeheimnisse der Magier des Geldes“ oder sonst einen Unfug bezeichnen. Lassen wir die Kirche mal im Dorf:

Es sind lediglich fünf teilweise wirklich sehr persönliche Erfahrungen, die Ihnen weiterhelfen sollen, mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Und ich bin mir aber sicher: Wenn Sie die folgenden fünf Regeln sorgfältig lesen und als festen Bestandteil in Ihre Tradings einbauen, dann werden Sie davon profitieren.

Schluss mit der Vorrede, lesen Sie!

1. Versuchen Sie nicht, klüger zu sein als die Masse!

Eine zunehmende Anzahl von Börsendiensten versucht sich dadurch zu profilieren, dass sie vorgibt, gegen den „Mainstream“ zu schwimmen. Das klingt erst einmal gut: Vermeintlich sprechen hier die Überlegenen, die sorgsamen Abwäger, die erfolgreichen Querdenker. Wirklich? Überlegen Sie einmal selbst:

An der Börse gilt eine ganz einfache Regel: Die Kurse gehen dorthin, wo die Masse des Geldes hin geht. Entweder hinein in den Markt oder heraus. Die dabei genannten Gründe für einen Kursanstieg oder ein Minus sind zuweilen zugegebenermaßen wirklich lachhaft.

Nur: Wenn Sie in einem solchen Umfeld der einzige sind, der einen klaren Kopf behält, während alle anderen ihren verlieren, dann werden Sie der einzige Verlierer am Markt sein! Fakt ist:

Nur die „Fließrichtung“ des Geldes macht die Kurse. Und zu den Gewinnern werden Sie dauerhaft nur gehören, wenn Sie mit dieser Richtung schwimmen und nicht dagegen.

Sie mögen tausendmal „Recht haben“ mit Ihren Argumenten und die Masse der Anleger für Ignoranten halten. Am Markt geht es aber nun einmal nicht ums „Recht haben“, sondern ums Geld verdienen.

2. Wenn Sie sich besonders sicher sind, ist Vorsicht geboten!

Zugegebenermaßen klingt das etwas unlogisch. Stellen Sie sich bitte jetzt einmal vor, Sie „wissen“, warum ein Kurs gerade dies oder jenes tut und auch, wie es vermutlich weitergehen wird.

Wenn Sie soweit sind, möchte ich Ihnen jetzt gerne eine Geschichte vorstellen, die Sie gewiss nicht mehr vergessen werden, wenn Sie sich künftig einer Sache „sicher“ sind.

Am 10. Dezember 1977 hatte ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Frau begonnen, den kleinen Flur unserer Wohnung zu renovieren. Erste Maßnahme: Der erst kurz zuvor neu verlegte Teppichboden wurde aufgenommen und zusammengerollt ins Schlafzimmer verbracht. Dann ging es an die Arbeit.

Irgendwann in der nachfolgenden Nacht wurde ich wach, weil es sonderbar roch. Nach kurzem Überlegen fand ich die Lösung: Es war die Gummierung des ins Schlafzimmer gelegten Teppichbodens. Kluges Köpfchen! Ich schlief wieder ein, wurde aber bald darauf wieder wach. Der Gestank war zweifellos stärker geworden. Ich öffnete vom Bett aus das Fenster und versuchte wieder einzuschlafen. Was mir aber nicht gelang, da der beißende Geruch eher noch zunahm als schwächer wurde.

Da wir uns vorgenommen hatten, am nächsten Morgen um 07:00 Uhr mit der Renovierung fortzufahren, kam mir eine Idee: Wäre es schon 06:00 Uhr oder später, würde ich wegen des dummen Teppichbodens nicht extra aufstehen; sollte es aber noch früher sein, würde es sich lohnen, ihn aus dem Schlafzimmer zu verbannen.

Ich schaute auf den Radiowecker: 01:07 Uhr. Also eine klare Sache: Ich stand auf, klemmte mir die Teppichbodenrolle unter den Arm und öffnete die Tür zum Flur. Dann kam die Erleuchtung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Die Wohnung stand in hellen Flammen, die angrenzende Tür des Wohnzimmers war von innen bis auf das Furnier weg gebrannt.

Wir sind damals mit dem davongekommen, was wir auf dem Leib trugen. Und das war nicht viel. Seitdem schaue ich immer zweimal hin, wenn ich von irgendetwas „weiß“, warum es passiert und wie es wohl weitergeht.

Das zu tun lohnt sich auch an der Börse. Und wenn Sie einmal damit angefangen haben, werden sich Ihnen, das verspreche ich, „neue Welten auftun“!

3. Denken Sie erst ans Aussteigen, dann ans Einsteigen!

Bevor Sie überhaupt in eine Position einsteigen, sollten Sie sich mit dem Gedanken auseinander setzen, was Sie tun werden, wenn sich der Trade nicht wie erwartet entwickelt. Das sollten Sie gerade dann tun, wenn sie gerade eine Serie erfolgreicher Trades durchgeführt haben. Auch dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel von jenseits des Börsenbereichs geben:

1985 fasste Roberto Goizueta, damals seit vier Jahren CEO von Coca-Cola, den Entschluss, die geheim gehaltene Rezeptur der Cola zu ändern. Gesagt, getan: Unter dem Namen „New Coke“ und mit viel Werbe-Tamtam ging das neue Produkt an den Start – und floppte.

Das war die erste Fehlentscheidung des bis dato sehr erfolgreichen Managers. Aber anstatt stur und „selbstbewusst“ am offensichtlich irrigen Kurs festzuhalten, ließ Goizueta die „New Coke“ umgehend wieder aus den Regalen verschwinden und führte die alte Rezeptur wieder ein, wobei er deren Namen in „Coca-Cola Classic“ änderte.

Das Ergebnis: Coca-Cola holte die verlorenen Marktanteile nicht nur auf, sondern konnte sie sogar noch ausbauen.

Sie sehen: Der Mann hatte eine Strategie zur Begrenzung seiner Verluste, eine „Exit“- oder Stopp-Strategie. Und er war auch souverän genug, um seine Fehleinschätzung frühzeitig einzuräumen und in eine neue, richtige und gewinnbringende Strategie umzusetzen.

Als Präsident George W. Bush jun. im März 2003 den Irak angreifen ließ, hatte er nicht den geringsten Hauch einer Ahnung, was er tun würde, falls sich die Operation nicht wie erwartet entwickeln sollte. Und dabei scheint es geblieben zu sein. Das Ergebnis muss ich nicht weiter erläutern.

Planen Sie also bereits beim Start jedes einzelnen Trades ganz genau, wann Sie aussteigen werden, falls es gegen Sie läuft. Und läuft es gut, ziehen Sie zur Gewinnsicherung den Stoppkurs sukzessive mit nach oben.

4. Prüfen Sie jeden Trade auf Herz und Nieren – jeden Tag!

Trades, die sich gegen Sie entwickeln, sind gefährlich. Klar, denn Sie sind dabei, möglicherweise Geld zu verlieren.

Trades, die sich in die erwartete Richtung bewegen, sind jedoch nicht minder gefährlich. Denn sie wecken die Gier. Auch hierzu habe ich Ihnen ein persönliches Erlebnis mitgebracht:

Ich habe einmal einen Trader kennengelernt (es stimmt wirklich), der sich in Erwartung eines kräftigen Kursanstiegs für 10.000 (damals noch) DM extrem weit aus dem Geld liegende (= hochspekulative) Calls auf Thyssen-Krupp mit einer Laufzeit von einem Jahr kaufte. Seine Aussage damals: Entweder ich bekomme Recht, oder meine 10.000 Mark sind futsch.

Und er bekam Recht: Der Kurs von Thyssen-Krupp explodierte regelrecht. Nach neun Monaten waren aus 10.000 DM unfassbare 632.000 DM geworden. Unser Mann beschloss nach Absprache mit seiner Frau, jetzt „die volle Mio.“ abzuwarten.

Kurz darauf geriet der Kurs leicht unter Druck, die erzielten Gewinne schmolzen etwas ab. Unser Trader wartete ab. Und richtig, die Kurse kamen wieder auf die Beine, setzten dann aber erneut zurück. Und so weiter usw.

Um es abzukürzen: Der Trade endete tatsächlich mit einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Bitte sagen Sie nicht, dass Ihnen so etwas nicht passieren könnte; es ist alles andere als ein Einzelfall: Zu Zeiten des „Neuen Marktes“ gab es Zehn-, wenn nicht Hunderttausende derartige Schicksale: Die Gier hatte den Verstand abgeschaltet.

Diese gefährliche Falle können Sie umgehen, indem Sie entweder Regel 3 beherzigen oder aber, indem Sie sich jeden Tag eine ganz einfache, aber psychologisch absolut entscheidende Frage stellen:

„Bin ich in einem Trade long, weil es bullishe Argumente dafür gibt – oder habe ich bullishe Argumente für eine Position, weil ich long bin?

Eine ganz, ganz entscheidende Frage! Sie glauben nicht, wie sehr eine bestehende Position (egal ob im Plus oder im Minus) die eigene Perspektive auf die Fakten einengen und zu einem regelrechten Scheuklappenblick führen kann. Prüfen Sie einfach jeden Tag aufs Neue, ob Sie eine Position heute auch noch eingehen würden!

5. Lernen Sie. Auch aus Verlusten. Es müssen ja nicht unbedingt die eigenen sein!

Als ich mir im Sommer 1987 meine Charts durchblätterte und sie mit den Fundamentals und der vorherrschenden Börsenstimmung abglich, wurde mir eines klar: Die Wall Street stand vor einem gewaltigen Crash!

Gemeinsam mit meiner Frau beschloss ich, einen bestehenden Bausparvertrag aufzulösen und das frei werdende Kapital in Höhe von 30.000 DM von diesem Crash profitieren zu lassen.

Beim Brokerhaus portfolio concept in Köln eröffnete ich ein Konto. Dann teilte ich die 30.000 DM in drei gleich große Teile. Und kaufte im Juli, August und September für jeweils 10.000 DM Put-Optionen auf den S&P 500. Und zwar mit einer Restlaufzeit von nur einem Monat und dem niedrigsten verfügbaren Basispreis. Optionen also mit einer extrem hohen Totalverlustwahrscheinlichkeit und einem ebenso irrwitzig hohen Hebel.

Der Juli ging ins Land und unsere ersten 10.000 DM waren versenkt. Ich betrachtete meine Charts. Die Aussage war unverändert: Crash ante portas!

Also wieder hinein, mit den nächsten 10.000 DM. Auch der August brachte nicht das, was die Charts versprachen. Stattdessen verfielen auch diese Optionen wertlos.

Zugegebenermaßen mit etwas erhöhtem Puls und Blutdruck investierte ich die letzten 10.000 DM in September-Puts. Nun ja, Sie ahnen, was passierte. Das letzte Drittel unseres Geldes ging den gleichen Weg wie die ersten beiden. Aus die Maus.

Wenn Sie damals schon am Markt tätig waren oder einmal ein Buch über das Börsengeschehen 1987 gelesen haben, wissen Sie, was unmittelbar darauf geschah: Am 19. Oktober stürzte die Wall Street in das größte Kursdesaster seit 1929 und die Schockwelle dieses Blutbades riss nahezu alle anderen Börsen mit in den Abwärtsstrudel.

Hätte ich noch eine meiner drei Positionen im Markt gehabt, so wären aus 10.000 DM rund sechs Millionen DM geworden.

Was ich daraus gelernt habe? Erstens: Charttechnik funktioniert. Und zweitens: Für sich allein verwendet, ist sie (wie übrigens jedes andere Verfahren der Marktanalyse) nur einer der beiden Schlüssel zum Öffnen des Tresors zum Erfolg. Der andere lautet: Diszipliniertes Money-Management!

Nun haben Sie sie also gelesen, die fünf Börsenregeln, die für mich am wichtigsten geworden sind und die ich Ihnen gerne mit auf den Weg geben möchte. Falls Sie wie ich ein „alter Hase“ sind, haben Sie einiges davon in irgendeiner Spielart vermutlich schon am eigenen Leib erlebt.

Falls Sie noch nicht so lange an der Börse unterwegs sind, sollten Sie sich die fünf kleinen Geschichtchen bitte zu Herzen nehmen. Vielleicht hilft es Ihnen dabei, nicht über die gleichen Steine zu stolpern wie ich. Denn ich versichere Ihnen: Sie liegen immer noch da!


Montag, der 18. Dezember 2017     © 2017 by www.private-profits.de